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(Info) Preisfehler - Entstehung, Erklärung, Rechtslage, Anspruch

(Info) Preisfehler - Entstehung, Erklärung, Rechtslage, Anspruch

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(Info) Preisfehler - Entstehung, Erklärung, Rechtslage, Anspruch

Redaktion

Da aktuell immer wieder Fragen rundum das Thema "PREISFEHLER" auftauchen, und letztere hier auch durchaus häufig erscheinen, haben wir euch hier einen kleinen Info-Thread aufbereitet, der die häufigsten Fragen rundum die Thematik klären soll.

  • Wie kommt es zu Preisfehlern?

Ein Online-Händler hat für gewöhnlich abertausende Artikel einschließlich ihrer Preise in seiner Datenbank. Da passiert es verständlicherweise auch schon einmal, dass sich bei der Eingabe eines Verkaufspreises ein Fehler einschleicht, dabei wird beispielsweise eine Kommastelle falsch gesetzt oder eine Zahl inmitten des Preises geht zur Gänze verloren. Doch nicht ein irrtümlicher Fehler kann kausal für einen Preisfehler sein: Dem ein oder anderen Shop könnte man hier und da sogar unterstellen, ganz gezielt solche Preisfehler zu generieren, um damit auf Neukundenfang zu gehen, immerhin erhält der Händler mit Massenkäufen auch zahlreiche neue Kundendaten für spätere Werbung. Nicht zuletzt erhalten die Shops enorme Aufmerksamkeit.

  • Wie erkennt man Preisfehler?

Preisfehler sind grundsätzlich einfach zu erkennen: Ist die Ersparnis gegenüber anderen Shops im Vergleich (Geizhals, Idealo) außergewöhnlich hoch, kann man davon ausgehen, dass der Preis so nicht wirklich geplant war. Aber Achtung: Nicht jeder ungewöhnliche Preis ist auch sofort ein Preisfehler! Oft gibt es tatsächlich auch gewollte, extrem gute Aktionen, hier und da will ein Händler auch einfach nur seine Restbestände zum Einkaufspreis loswerden, seine Lager entsprechend für neue Ware räumen.

  • Wie kann ich trotz Preisfehler ohne Risiko bestellen?

Grundsätzlich unterscheidet sich eine Bestellung bei einem Preisfehler nicht von einer normalen Bestellung. Die Bestellungen werden aber in den meisten Fällen wieder vom Händler storniert, was nicht selten auch mehrere Tage beanspruchen kann. Bestellt daher bei Preisfehlern nicht per "Vorkasse", damit ihr im Falle einer Stornierung nicht eurem Geld nachrennen müsst. Bessere Zahlungsmöglichkeiten sind "auf Rechnung" oder "per Nachnahme" - aber auch die Bezahlung via "PayPal" ist empfehlenswert, da man so über den PayPal Käuferschutz wieder zuverlässig und einigermaßen flott an sein Geld zurückkommt.

  • Muss ein Shop einen Artikel zum falschen Preis ausliefern?

Eine typische Onlinebestellung läuft in der Regel immer ganz klassisch ab: Der Kunde bestellt seine Ware online per Mausklick und bekommt im Anschluss eine (meistens automatisierte) Bestellbestätigung per E-Mail. Viele gehen fälschlicherweise davon aus, dass sie zu diesem Zeitpunkt schon einen gültigen Kaufvertrag abgeschlossen haben. Dem ist aber nicht so! Mit der Bestellung bekundet der Kunde nur sein Interesse, ein Produkt zum ausgezeichneten Preis kaufen zu wollen. Rechtlich spricht man hier von einem "Anbot zum Kauf". Die Bestellbestätigung ist dabei nur eine Bestätigung, dass der Kauf-Vorschlag empfangen wurde.

Der Händler kann in weiterer Folge die Bestellung annehmen aber eben auch ablehnen. Erst mit einer Auftragsbestätigung, der Zusendung einer finalen Rechnung, der Bestätigung des Kaufes oder auch durch konkludente (=stillschweigende) Alternativhandlungen, wie zB durch den Versand der Ware, nimmt der Händler euer Angebot verbindlich an und es entsteht ein gültiger Kaufvertrag. Übrigens, auch eine wiederholte Aufforderung zur Zahlung der Ware kann als Annahme des Angebotes gewertet werden, da auch hier eine Alternativhandlung gesetzt wird, die keine weiteren Zweifel darüber offen lässt, dass der Händler verbindlich mit euch kontrahieren möchte.

  • Vertrag zustande gekommen - kann der Händler trotzdem noch zurücktreten?

Jain - ist ein Vertrag (wie im vorangehenden Absatz beschrieben) rechtsgültig zustande gekommen, so können die beiden Vertragsparteien (Käufer wie Verkäufer) grundsätzlich nicht mehr einseitig, also ohne Zustimmung des jeweils anderen Vertragspartners vom Vertrag zurücktreten.

Aber Achtung! Für grobe Irrtümer lässt der Gesetzgeber noch ein (faires) Schlupfloch nach dem eigentlich bereits gültigen Vertragsabschluss: die sogenannte Irrtumsanfechtung - so besteht die Möglichkeit einer Irrtumsanfechtung bei Preisfehlern insbesondere dann, wenn

  • euch der Irrtum eigentlich hätte auffallen müssen oder
  • der Irrtum von euch veranlasst wurde (so gut wie nie der Fall!) oder
  • der Irrtum so rechtzeitig aufgeklärt wurde, dass von euch noch keinerlei Aufwendungen im Vertrauen auf den Vertrag getroffen wurden (zB bei einer Möbelbestellung die Beauftragung eines Transpoprtunternehmens)

Aber auch wenn eine der drei Voraussetzungen der Irrtumsanfechung gegeben sind, muss es sich beim Irrtum noch zusätzlich um einen sogenannten wesentlichen Irrtum handeln: War der Irrtum wesentlich, hätte man den Vertrag also in Kenntnis der wahren Umstände nicht abgeschlossen, kommt es zur gänzlichen Auflösung und damit auch zur gesamten Rückabwicklung des Vertrages.

Bei einem nur unwesentlichen Irrtum aber, wenn also die Parteien den Vertrag in Kenntnis aller Umstände zwar in anderer Form, aber letztlich doch abgeschlossen hätten, kommt es zu einer Vertragsanpassung. Der Vertrag gilt dann so, wie ihn die Parteien in Kenntnis der tatsächlichen Umstände eingegangen wären.

  • Vertrag steht - muss der Händler die Ware ausliefern?

Steht der gültige Kaufvertrag und gibt es keine Möglichkeit mehr zum Rücktritt für den Händler, so muss der Händler den Vertrag auch zu den vereinbarten Konditionen erfüllen. Häufig tun das die Händler (in den doch seltenen Fällen, dass Preisfehler auch tatsächlich durchgehen), in einigen anderen Fällen weigern sie sich aber, einen für sie finanziell verlustbringenden Vertrag zu erfüllen. Euren Rechtsanspruch auf Vertragserfüllung könnt ihr dann allerdings nur durch die Ergreifung eines Rechtsmittels, insbesondere mittels zivilrechtlicher Klage durch einen Rechtsanwalt erfolgreich durchsetzen.

  • Zusammenfassung:

  • eine Bestellbestätigung macht noch keinen Kaufvertrag!
  • gültiger Kaufvertrag erst mit Auftragsbestätigung, Versand der Ware oder Bestätigung des Kaufvertrags und sinngemäß
  • Irrtumsanfechtung als letzter Ausweg für den Händler
  • bei gültigem Vertrag: Anspruch auf die Ware zum Schnäppchenpreis

Hab ihr noch weitere Fragen? Ab damit in die Kommentare! Wir hoffen, euch mit dem Artikel ein wenig weitergeholfen zu haben und wünschen euch für zukünftige Schnäppchen viel Glück und Freude!



Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung sondern eine allgemein gültige Information dar.

23 Kommentare

Vielen Dank!!

wirklich hilfreich, danke!!

Danke für diese ausführliche Erklärung!

Supi!

Gottseidank mal eine Erklärung.Hoffentlich hören dann die "Preisfehler"Deals mal auf.

preisjaegerin22. August

Gottseidank mal eine Erklärung.Hoffentlich hören dann die "Preisfehler"Deals mal auf.

​Warum? Damit man gar keine Schnäppchen mehr ergattern kann?

toller informativer Beitrag!

FÜM oder Privatrecht 1 gerade bestanden?


auf jeden Fall ein guter informativer und verständlicher Beitrag - HOT

Sehr guter Beitrag. Danke.

Wie kann man folgendes Szenario verbieten:
Ein Unternehmen stellt ein relativ begehrtes Produkt online mit einem falschen niedrigeren Preis (absichtlich), z.B. statt 100€ für 25€. Die Leute bestellen sich massenweise dieses Produkt und bezahlen alle per paypal oder Kreditkarte, da dies die einzigen Zahlungsmittel sind. Das Unternehmen verkauft ca. 2000 Produkte. Somit haben die Kunden 50000€ gezahlt und das Unternehmen kann die Rückzahlung (bin mir nicht sicher, aber ich denke ohne Konsequenzen) bis zu 6 Wochen hinausziehen. Das wäre doch ein kleiner zinsfreier Kredit für das Unternehmen.

Dies ist mir einmal selber passiert und ich habe auf die Rückzahlung mehr als einen Monat gewartet.
Die Anzahl der verkauften Produkte ist nur eine Schätzung aber ich kann mich erinnern, dass überall im Internet von dieser "Preissenkung" die Rede war und sehr viele Leute bestellt haben.
Ich finde es unverschämt, dass so etwas nicht bestraft wird.

Redaktion

mali_relja22. August

Wie kann man folgendes Szenario verbieten:Ein Unternehmen stellt ein relativ begehrtes Produkt online mit einem falschen niedrigeren Preis (absichtlich), z.B. statt 100€ für 25€. Die Leute bestellen sich massenweise dieses Produkt und bezahlen alle per paypal oder Kreditkarte, da dies die einzigen Zahlungsmittel sind. Das Unternehmen verkauft ca. 2000 Produkte. Somit haben die Kunden 50000€ gezahlt und das Unternehmen kann die Rückzahlung (bin mir nicht sicher, aber ich denke ohne Konsequenzen) bis zu 6 Wochen hinausziehen. Das wäre doch ein kleiner zinsfreier Kredit für das Unternehmen.Dies ist mir einmal selber passiert und ich habe auf die Rückzahlung mehr als einen Monat gewartet.Die Anzahl der verkauften Produkte ist nur eine Schätzung aber ich kann mich erinnern, dass überall im Internet von dieser "Preissenkung" die Rede war und sehr viele Leute bestellt haben.Ich finde es unverschämt, dass so etwas nicht bestraft wird.



Hallo, vorab Danke für Deinen Beitrag und das Teilen Deiner Erfahrung. Das ganze geht leider ein wenig am Thema der "Preisfehler" vorbei, aber in aller Kürze auf Deine Fragen:

Man braucht es nicht zu verbieten, es ist verboten. Abhängig freilich von der Methodik des jeweiligen Händlers fällt dieses Verhalten unter mehrere Straftatbestände des StGB und verstößt auch gegen das UWG. Sollte Dir ein solches Vorgehen bei einem Händler de facto bekannt sein, so ist es ratsam, den Händler beim VKI zu melden und nach Bedarf und tatsächlichem Sachverhalt Anzeige zu erstatten.
Bearbeitet von: "Peter" 8. September

35Pvor 2 h, 8 m

​Warum? Damit man gar keine Schnäppchen mehr ergattern kann?

Vorsicht!
Es handelt sich womöglich um einen Betrüger! Alle Artikel des Verkäufers werden für 6,99€ angeboten! Nicht kaufen! Wer bereits gekauft hat, sollte am Besten gleich mal den Amazon Support kontaktieren!

Darum?

Redaktion

preisjaegerin22. August

Vorsicht! Es handelt sich womöglich um einen Betrüger! Alle Artikel des Verkäufers werden für 6,99€ angeboten! Nicht kaufen! Wer bereits gekauft hat, sollte am Besten gleich mal den Amazon Support kontaktieren! Darum?



Dein Zitat stammt aus einer Warnung der Redaktion gegenüber einem User-Deal. Ein User ist hier wohl einem Betrug auferlegen. Ganz allgemein gilt: "Augen auf beim Online-Kauf" - das betrifft allerdings nicht (nur) Preisfehler.

Wir freuen uns aber, dass dieser Beitrag Dein einziges Bedenken zum Thema Preisfehler ist - dann wird es in Zukunft auch für Dich wieder zahlreiche Schnäppchen zu schießen geben.

Peter22. August

Hallo, vorab Danke für Deinen Beitrag und das Teilen Deiner Erfahrung. Das ganze geht leider ein wenig am Thema der "Preisfehler" vorbei, aber in aller Kürze auf Deine Fragen:Man braucht es nicht zu verbieten, es ist verboten. Abhängig freilich von der Methodik des jeweiligen Händlers fällt dieses Verhalten unter mehrere Straftatbestände des StGB und verstößt auch gegen das UWG. Sollte Dir ein solches Vorgehen bei einem Händler de facto bekannt sein, so ist es ratsam, den Händler beim VKI zu melden und nach Bedarf und tatsächlichem Sachverhalt Anzeige zu erstatten.


Danke für die Antwort. Das Unternehmen ist leider nicht in der EU.

Peter22. August

Dein Zitat stammt aus einer Warnung der Redaktion gegenüber einem User-Deal. Ein User ist hier wohl einem Betrug auferlegen. Ganz allgemein gilt: "Augen auf beim Online-Kauf" - das betrifft allerdings nicht (nur) Preisfehler.Wir freuen uns aber, dass dieser Beitrag Dein einziges Bedenken zum Thema Preisfehler ist - dann wird es in Zukunft auch für Dich wieder zahlreiche Schnäppchen zu schießen geben.

Dann solltet ihr nicht nur im Beitrag hinweisen,sondern auch dieses mMn bescheuerte "Preisfehler" im Titel entfernen.Ein Preisfehler ist solange kein Preisfehler,solange es die Firma nicht bestätigt.Sonst könnt ja jeder kommen und sagen es ist ein Preisfehler.Und die Leute fallen drauf rein und meiden eure Seite.Nicht?

Redaktion

preisjaegerin22. August

Dann solltet ihr nicht nur im Beitrag hinweisen,sondern auch dieses mMn bescheuerte "Preisfehler" im Titel entfernen.Ein Preisfehler ist solange kein Preisfehler,solange es die Firma nicht bestätigt.Sonst könnt ja jeder kommen und sagen es ist ein Preisfehler.Und die Leute fallen drauf rein und meiden eure Seite.Nicht?


Wir legen unseren Fokus auf das Allgemeininteresse unserer Community und können leider nicht immer auf Deine individuellen Probleme eingehen. Bitte um Verständnis. Du widersprichst Dich leider gleich im ersten Satz, "Preisfehler" Hinweis ganz oder gar nicht? Ist aber auch ganz egal: Wir nehmen freilich auch keinen Einfluss darauf, wie unsere Mitglieder ihre eigenen Deals aufbereiten. Wir würden uns wünschen, dass Du hier endlich einmal mit gutem Beispiel vorangingest. Oder - Du fällst einfach endlich (cit) "drauf rein und meidest unsere Seite".
Bearbeitet von: "Peter" 8. September

Keinen einzigen Deal erstellt aber immer etwas zum meckern haben, unglaublich. Mal mit gutem Beispiel voran gehen und zeigen wie man einen guten Deal erstellt, ach nein da klopft man lieber in die Tasten um jeden vierten Deal durch den Schmutz zu ziehen

Aus meiner Sicht es es inhaltlich zwar korrekt erklärt, der Begriff "Bestellbestätigung" wird jedoch falsch verwendet (IANAL). Aus meiner Sicht müsste es etwa "Eingangsbestätigungen" oder ein ähnlicher Begriff gewählt werden, nicht jedoch "Bestellbestätigung".

Redaktion

__martin__22. August

Aus meiner Sicht es es inhaltlich zwar korrekt erklärt, der Begriff "Bestellbestätigung" wird jedoch falsch verwendet (IANAL). Aus meiner Sicht müsste es etwa "Eingangsbestätigungen" oder ein ähnlicher Begriff gewählt werden, nicht jedoch "Bestellbestätigung".


Gebe ich Dir partiell auch Recht, der Einfachheit halber belassen wir es aber bei der klassischen "Bestellbestätigung", da ein Großteil der Händler eben diese "Eingangsbestätigung" so tituliert.
Bearbeitet von: "Peter" 8. September

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