FACT: Gültigkeit, Rückerstattung und Einlösen von Gutscheinen

AvatarGelöschterUser640
eingestellt am 22. Mai 2010
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Schon gewusst? Ist die Gültigkeitsdauer von Gutscheinen mit weniger als einem Jahr angegeben, ist dies in den meisten Fällen unzulässig, wodurch der Gutschein automatisch 3 Jahre gilt. Weiters kann man für abgelaufene Gutscheine, innerhalb von 3 Jahren, das Geld wieder zurück verlangen. Das Ganze stützt sich auf der Tatsache, dass eine ungerechtfertigte Bereicherung des Händlers nicht erlaubt ist.

Doch das Thema ist weitaus komplizierter und nicht jede Frage immer eindeutig zu beantworten. Daher hab ich mich mal schlau gemacht, um euch in Punkto "Gutscheinrecht" zu bilden. Doch zuerst muss ich das Wort "Gutschein" in diesem Zusammenhang genauer definieren:

Gutscheine oder Coupons aus Zeitungsbeilagen oder Gutscheine auf Gutscheinsammler.de sind keine Wert- oder Geschenkgutscheine, um die es hier geht. Es ist also wichtig, das im Voraus bezahlt wurde.

Grundsätzlich gilt folgendes für Wertgutscheine:

  • Eine Mindestgültigkeit für Gutscheine wurde gesetzlich nicht festgelegt.
  • Es gilt also grundsätzlich die auf dem Gutschein angegebene Gültigkeit.
  • Voraussetzung ist aber, dass die Gültigkeit "angemessen" ist.
  • Ist die Gültigkeit nicht "angemessen", verfällt die angegebene Gültigkeit und es gilt die allgemeine Verjährungsregel.
  • Die allgemeine Verjährungsregel dauert 3 Jahre für Deutschland und 30 Jahre für Österreich (Quelle: Wiki).
  • Handelt es sich beim Gutschein nicht um einen Fixbetrag sondern um eine Leistung (z.B. Erlebnisgutschein) gilt der Gutschein mindestens 1 Jahr. Wird er nach dem ersten Jahr eingelöst, kann der Gutscheingeber den Aufpreis für die teurer gewordene Leistung verlangen (muss aber den ein Jahr alten Gutschein akzeptieren).
  • Greift die gesetzliche Verjährung, dann kann nichts mehr erstattet und nichts mehr eingelöst werden: Der Gutschein wird wertlos. Dies gilt auch bei Konkurs des Gutscheingebers.
  • Es gibt kein gesetzliches Rückgaberecht für Gutscheine innerhalb der Gültigkeit, da eine Rückgabe einen Mangel des Produktes voraussetzt (Mängel sind bei Gutscheinen aber so gut wie ausgeschlossen).
  • Oft kann aber aus Kulanz des Händlers trotzdem der Wert des Gutscheins rückerstattet werden.
  • Nach Ablauf der Gültigkeit, kann das Geld jedoch zurück verlangt werden, da eine ungerechtfertigte Bereicherung des Händlers nicht erlaubt ist.
  • Gutscheine dürfen etappenweise eingelöst, der Restbetrag muss jedoch nicht unbedingt ausbezahlt werden.
Was ihr euch wahrscheinlich als erstes fragt, ist sicher: Was ist nun "angemessen" und was nicht? Doch genau die Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Die einzige Möglichkeit ist, sich auf vergangene Urteile großer Gerichte zu verlassen. So wurden zum Beispiel die einjährigen Gutscheine von Amazon.de 2007 als nicht angemessen beurteilt. Somit gelten die Gutscheine nun 3 Jahre und das, laut Verbraucherschutz, nicht nur für Amazon, sondern für alle Händler in Deutschland (Quelle: tagesschau.de). Eine angemessene Gültigkeitsdauer ist in den meisten Fällen überhaupt nicht argumentierbar. Nur Kinogutscheine scheinen eine kleine Ausnahme zu machen, hier verfallen Gutscheine nämlich bereits ab 2 Jahren (Quelle: verbraucher-urteile.de).

Die am Anfang genannte Einjahresfrist ist also nur ein vorsichtiger Anhaltspunkt, aufgrund dieser Aussage der Verbraucherzentrale Hamburg und diesem Urteil. Wie es fürÖsterreich im Detail aussieht, lässt sich leider schwer sagen. Im Internet finden sich kaum Urteile zur Gültigkeit von Gutscheinen.

Gerade Group-Buying-Seiten wie Groupon und DailyDeal sind in dem Zusammenhang sehr interessant. Achtet mal auf die sehr kurzen Gültigkeitsangaben der letzten Angebote. Da geht einem gleich ein Licht auf, wie die mit den Hammerangeboten trotzdem noch ihr Geld verdienen - und zwar mit "ungerechtfertigter Bereicherung". Doch das funktioniert nur, weil es 95% der Käufer nicht besser wissen!

Wer also abgelaufene Gutscheine zuhause rumliegen hat, kann die in bares Geld verwandeln und das meist ohne viel Gejammer seitens des Händlers. Die wissen nämlich genau Bescheid, was sie dürfen und was nicht. Bei schwierigeren Fällen weist ihr einfach auf die Urteile der verschiedenen Gerichte hin.

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