Hausbau- und Sanierungs-Deal: Bautechnische Absicherung

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eingestellt am 23. Mai
Dieses Thema wird sehr kontrovers diskutiert. Einige Baumeister kommen sich auf den Schlips getreten vor, wenn man einen Bausachverständigen hinzuzieht, anderen ist es wiederum egal. Ich persönlich hatte immer vor mir einen BSV zu nehmen, wenn‘s zum Hausbau kommen sollte. Dies hat nichts mit fehlendem Vertrauen in die jeweilige Firma zu tun – sonst würde ich sie ja nicht beauftragen – aber ein unabhängiger Blick von außen kann Wunder bewirken. Baumeister, die nichts zu verbergen haben, kombiniert mit einem BSV, der nicht im Ruf steht, sein Geld auf Biegen und Brechen zurückzuholen, sollte idR. kein Problem darstellen. Falls doch, sollte man sich überlegen, ob man diesen Baumeister tatsächlich beauftragen möchte.

Grundsätzlich ist ein BSV eine feine Sache, da man als Laie niemals dieselbe Expertise aufweisen kann, wie ein BSV. Man sollte aber, wie bereits kurz erwähnt, einen seriösen wählen. Einen Anhaltspunkt kann die Seite gerichts-sv.at bieten, die gerichtlich zertifizierte Sachverständige auflisten. Als „Schlagwort“ könnt ihr z.B. nach „Hochbau“ oder „Tiefbau“ suchen, um Experten für den Keller und das eigentliche Haus zu finden. Diese BSV sollten auf jeden Fall seriös sein, da man sich im schlimmsten Falle an den Hauptverband wenden kann. Jetzt aber genug über BSV an sich.

Was machen sie eigentlich und welche Prüffrequenz ist sinnvoll?

Die erste Frage ist relativ leicht zu beantworten: Fehler bei der Ausführung der Arbeiten werden zeitnah aufgezeigt, damit keine Folgeschäden entstehen können. Natürlich führen BSV auch andere Arbeiten durch (Schadensanalyse, Energieberatung, Thermografiegutachten, …), aber uns interessiert mal primär die Baubegleitung oder die Bestandsanalyse einer interessanten Immobilie. Die zweite Frage ist etwas komplexer: Ihr zahlt nämlich pro Besichtigung bzw. pro Bericht oder eine Pauschale, die sich natürlich auch auf die Besichtigungsfrequenz auswirkt.

Ihr könnt den BSV für jeden Bauschritt buchen, was mega teuer wird, oder erst bei der Beendigung des Baus, was für die meisten Mängel wohl zu spät wäre. Also wäre ein Prüfintervall, welches sich dazwischen befindet, eine gute Alternative. Ihr solltet euch auf alle Fälle mit dem BSV zusammensetzen und einen Plan erstellen. Ich persönlich habe folgende Meilensteine als sinnvoll erachtet:

1. Planung des Hauses
In einer späten Phase, wenn das Haus bereits zum Großteil durchgeplant wurde und nur noch kleine Änderungen notwendig sind.

2. Verträge für die unterschiedlichen Gewerke oder den Generalunternehmer
Sollte immer nochmals von einem Experten betrachtet werden, ob tatsächlich alle Arbeiten angeboten werden, die benötigt werden.

3. Fertigstellung der Bodenplatte
Hier ist es vor allem wichtig, dass die Bodenplatte gerade ist. Beton ist nicht selbstverfließend und nivellierend, sondern relativ „starr“. Somit können starke Gefälle entstehen, die nicht passieren sollten. Sonst müsste der Maurer diese Unebenheiten irgendwie ausgleichen, was nicht selten in einem Pfusch endet. Ein weiterer Punkt sind z.B. die Austritte der (Ab)-Wasserleitungen. Wenn diese nicht mit dem Plan konform gehen, habt ihr auf einmal den Abfluss für's WC in der Küche.

4. Fertigstellung des Mauerwerks
Nnachdem die Bodenplatte (hoffentlich gerade) gegossen wurde, wird das Mauerwerk aufgestellt. Nach der Aufstellung hätte ich mir erneut den BSV geholt, um diesen Abschnitt zu prüfen. Sind die Mauern gerade aufgestellt? Ansonsten muss man beim Verputzen (zu) schiefe Wände ausgleichen! Welche Normen eingehalten werden müssen, weiß der BSV – deswegen nehmen wir uns ja einen Wurden die Pläne exakt eingehalten? etc.

5. Fertigstellung des Dachstuhls / des Rohbaus
Ein weiterer wichtiger Bauabschnitt ist die Fertigstellung des Dachstuhls. Hierbei wird erneut geprüft, ob alles korrekt durchgeführt wurde. Sind die Sparren in der korrekten Dicke und im richtigen Abstand verbaut? Handelt es sich um das vereinbarte Dachdesign? etc.

6. Fertigstellung der Dachdeckung
Sobald das Dach gedeckt wurde, würde ich mir erneut einen BSV holen, damit die Deckung überprüft wird. Dies hat nicht nur was mit dem Aussehen zu tun, sondern auch mit der Sicherheit. Wenn Dachschindeln z.B. nicht korrekt angenagelt wurden, könnten sie herabfallen. Wenn die Abdichtung nicht korrekt durchgeführt wurde, kann Feuchtigkeit eindringen. Wenn die Dampfbremse nicht korrekt eingebaut wird, kann euch der Dachstuhl abfaulen! Somit solltet ihr den BSV unbedingt vor dem Innenausbau inkl. Verkleidung einladen! Denn nur dann sieht er auch alles, was er sehen muss. Alles andere würde in zusätzliche Arbeit ausarten (Entfernen der Verkleidung z.B.).

7. Fertigstellung des Fenster- und Türeinbaus
Auch hier müssen Normen eingehalten werden, die vom BSV geprüft werden. Darunter fallen „banale“ Sachen, wie der feste und gerade Einbau der Fenster und Türen, aber auch Feinheiten, wie die Luftdichtheit zwischen Wand und Fensterrahmen oder die Abdichtung der Fensterbretter, damit kein Wasser in die Dämmung fließen kann (wird aber erst nach Fertigstellung der Dämmung geprüft).

8. Fertigstellung der Außendämmung

Auch hier können viele Fehler gemacht werden. Dies beginnt bei der richtigen Verklebung und Verdübelung des Dämmmaterials und geht über das Vernetzen und Verputzen bis hin zum Oberputz. Hier wird gerne beim Material gespart, sodass der Putz sehr dünn und somit instabil wird. Aber das ist ja dann nicht euer Problem: Der BSV macht das schon

9. Fertigstellung der Elektrik (vor dem Verputzen)
Dieses Thema werde ich noch genauer bearbeiten, aber wichtig ist z.B. die Einhaltung der Verlegezonen, die korrekte Verkabelung im Sicherungskasten, die richtige Absicherung und dazugehörige Querschnitte (z.B. max. 13A für 1,5mm² Leitungen), die Einhaltung der Verlegelängen (durch die Kabel gibt’s einen Spannungsabfall, der nicht zu hoch sein darf – dies hängt direkt vom Querschnitt und der Kabellänge ab. Hab euch dazu aber ein Excel Dokument erstellt, was ich dann im Elektrik-Deal hochlade ). Nach der Fertigstellung der Elektrik gibt’s ein Prüfprotokoll, welches z.B. für den Energieversorger benötigt wird, damit er den Strom freigibt. Dieses sollte aber auch nochmal vom jeweiligen Sachverständigen geprüft werden. Für die Elektrik gibt’s jedoch meistens andere Sachverständig. Hierfür könnt ihr den BSV eures Vertrauens aber um Empfehlungen bitten; die arbeiten meist zusammen mit anderen und koordinieren sich dementsprechend.

10. Fertigstellung der Heizung und Sanitärverrohrung
Auch hier gibt’s eigene BSV. Grundsätzlich wird das gesamte System überprüft. Auch hier solltet ihr den BSV vor dem Vergießen des Heizestrichs (bei FBH) bzw. vorm Einbetonieren / Verputzen der Verrohrung holen, denn dann können Fehler noch verhältnismäßig einfach ausgebessert bzw. erst gefunden werden. Selbiges gilt für die gesamte Heizungstechnik: Speicher, Wärmepumpe / Gastherme / udgl., Ventile, Pumpen, … sollten alle noch zugänglich und prüfbar sein. Ein guter BSV lässt sich dann auch das Prüfprotokoll zur Kontrolle übergeben (z.B. Druckprüfung der Wasserleitungen).

11. Fertigstellung der Feinarbeiten

Hierunter fallen z.B. Verputzarbeiten, Gießen des Estrichs, etc. Nachdem alle Arbeiten, die man durch Verputzen „versteckt“, geprüft wurden, kann man ruhigen Gewissens mit diesen Arbeiten beginnen bzw. beginnen lassen. Nach der Beendigung aller weiteren Arbeiten hätte ich nochmals den BSV geholt, um diese Arbeiten ebenfalls prüfen zu lassen, z.B. Ebenheit des Estrichs und der verputzten Wände.


Dies war mein Plan und auch schon mit dem jeweiligen BSV abgeklärt, aber daraus wurde ja nichts. Somit gehen wir mal in die Prüfung eines Altbaus über. Auch hier kann ein BSV sinnvoll sein, da ihr den Zustand des Altbaus checken lassen solltet. Ich hab z.B. einen bekannten BSV genommen, der aber in ganzer Linie versagt hat und mir bis heute eine Rechnung schuldig ist – aber auch deswegen gilt: die gerichtlich beeideten sind da wahrscheinlich etwas besser, da man sich bei Problemen an eine Stelle wenden kann.

Grundsätzlich gilts aber, dass der BSV pro Haus zwischen 500 € und 1200 € bekommt. Deswegen sollte man sich auch als Laie zumindest mit den Grundzügen des Hausbaus vertraut machen und die wichtigsten Aspekte begutachten, die bei einem alten Gebäude auftreten können. Ansonsten müsstet ihr für jedes zu begutachtende Gebäude mit diesem Preis rechnen. Folgende Punkte könnt ihr euch selber ansehen bzw. habe ich selbst diese Punkte kontrollieren können:

  • Grundzustand
  • Fenster und Türen
  • Feuchte
  • Elektrik
  • Sanitärverrohrung
  • Heizungssystem

Grundzustand
Das ist einer der größten und schwierigsten Punkte, denn was genau bedeutet Grundzustand? Wie soll man das als Laie identifizieren können? Grundsätzlich sind wir nicht dafür ausgebildet und müssen es auch nicht können, aber wir können zumindest einen genauen Blick auf Mängel und auch auf nicht-Mängel werfen. Bei meinem Hauskauf habe ich z.B. den Fehler gemacht und mich nicht über eine ausgehängte Tür im Keller gewundert. Der Grund war nach dem Kauf ersichtlich: Dahinter waren die Fliesen lose und fielen schon fast von selbst runter (Feuchte). Also nehmt euch die Freiheit heraus und schaut euch alles genau an – auch hinter geöffnete Türen, verschlossene / verstellte Räume, etc. Immerhin tätigt ihr einen Kauf in nicht unerheblicher Höhe!

Was noch zum Grundzustand zählt, ist die grundsätzliche Beschaffenheit des Hauses:
  • Treten irgendwo Risse auf?
  • Bröckelt der Putz ab (innen sowie außen)?
  • Hängt irgendwo die Decke durch?
  • Existieren lose Fliesen ((alter) Wasserschaden, Feuchteprobleme, …)?
  • Befinden sich unter dem Parkett hohle Stellen (u.U. ebenfalls alter Wasserschaden)?
  • Riecht es irgendwo modrig?
  • Wie wurde das Haus gewartet?
  • Wie ist der Zustand des Daches?
  • Fehlen Dachziegel oder sind welche beschädigt?
  • Wie ist der Zustand des Gebälks? Dafür müsst ihr auf den Dachboden steigen und, sofern er nicht ausgebaut oder vertäfelt wurde, euch den Zustand der Balken ansehen. Sind sie bereits morsch oder dringt irgendwo Feuchtigkeit ein? Ja, das Ganze ist nicht einfach, weswegen ich nur jene Sachen aufgelistet habe, die man tatsächlich als Laie mal prüfen kann.

Fenster und Türen
  • Sind die Fenster / Außentüren dicht? Neben der visuellen Prüfung (alle Dichtungen vorhanden und nicht porös?) kann man dies bei windigen Tagen auch mit einem banalen Teelicht getestet werden, indem man es entzündet und unter das Fenster stellt.
  • Sind die Fenster bereits mit Isolierglas ausgestattet? 2-fach verglast heißt nicht (!) automatisch, dass Isolierglas verwendet wurde. Das innerste Glas muss aus Isolierglas sein, da ihr sonst einen erheblich schlechteren u-Wert (wieviel Wärme wird von innen nach außen und vice versa ausgetauscht) habt. Dies könnt ihr oft prüfen, indem ihr mit einem Feuerzeug hingeht und die Spiegelung der „hinteren“ Flamme betrachtet. Deren Farbe muss sich entweder ins bläuliche oder rötliche ändern. Dabei spielt die Beschichtung eine Rolle (z.B. wurde Kupfer aufgedampft).

Feuchte
Dieses Thema ist gerade bei alten Gebäuden ein großes Thema und sollte nicht außer Acht gelassen werden. Immerhin ist eine nachträgliche Feuchteisolierung im horizontalen Bereich kaum möglich oder kostet ein Schweine Geld und eine vertikale Abdichtung ist ebenfalls kein Pappenstiel (aufgraben, altes Mauerwerk freilegen und säubern, abdichten, zubaggern). Ein Dach neu abzudichten heißt idR. das komplette Haus neu einzudecken und ist in den meisten Fällen nicht wirtschaftlich. Also achtet auf einige Punkte:
  • Befinden sich in den Raumecken Schimmel oder feuchte Stellen? Anfassen ist erlaubt! Denn so merkt ihr sehr feuchte Stellen bereits - natürlich ersetzt das keine profesionelle Messung, aber wenn ihr bereits mim Finger eine Feuchte spürt, ists nass
  • Befinden sich auf der Decke (alte) feuchte Stellen?
  • Ist der Keller feuchteisoliert? Wenn nicht, ist das kein allzugroßes Problem, sofern er nicht bewohnt werden soll. Doch darf die Feuchte dann nicht mit Fliesen udgl. „ausgesperrt werden, da sie sonst nach oben kriecht und in die Wohnräume gelangen kann! Insofern ist auch eine horizontale Abdichtung wichtig, die das Kellermauerwerk vom Hausmauerwerk trennt. Existiert solch eine nicht, solltet ihr auf alle Fälle prüfen, ob im oberen Drittel des Kellermauerwerks die Feuchte passt oder ob sie zu hoch ist – in diesem Falle würde ichs aber einen BSV anschauen lassen. Feuchte ist kein allzu schönes Kapitel des Hausbaus / Hauskaufs.
  • Ist die Dachisolierung noch in Ordnung? Dafür müsst ihr erneut am Dachboden und euch dessen Boden sowie die Decke ansehen. Sind dort Feuchteflecken? Ist das Gebälk noch in Ordnung? Riecht es modrig?

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Für die gesamte Feuchtemessung hab ich mir ein Einsteigermessgerät gekauft, damit ich nicht komplett vom BSV abhängig bin. Wie die genaue Bezeichnung lautet, werde ich euch noch sagen, sobald ich wieder auf der Baustelle bin

Elektrik
Ein Kapitel, was mich bei meinem Hauskauf zuerst zum ungläubigen Staunen, dann zum Weinen, zum Verzweifeln und schlussendlich zum Fluchen brachte. Aber dazu dann mehr im Elektrikinstallationskapitel Wie immer bei solchen Tätigkeiten gilt: Bitte agiert vorsichtig. Immerhin liegen 230V Spannung an und ihr wollt nicht den FI-Schalter mit eurem eigenen Körper prüfen. Nicht in die Steckdose greifen, nichts im Sicherungskasten anfassen, einfach nur schauen reicht für die Prüfungen, die wir durchführen, vollkommen aus.

Grundsätzlich könnt ihr die Verkabelung nicht wirklich prüfen, außer ihr fahrt schweres Gerät auf und öffnet alle Unterputzverteiler – das wäre bei der ersten Besichtigung etwas zuviel des Guten. Ihr könnt euch aber zumindest mit einem Durchgangsprüfer ausstatten und die Steckdosen damit durchmessen. Somit wisst ihr, ob alle Steckdosen funktionieren und nirgends ein „totes Kabel“ liegt. Dafür gibt’s top Produkte, wie den Benning Duspol Durchgangsprüfer, der aber für die meisten von uns anfangs wohl etwas teuer kommen würde. Außer ihr wollt auch die Elektrik verlegen, dann solltet ihr die 75 € investieren. Falls ihr den Prüfer erstmals nur für die Besichtigungen braucht, könnt ihr auch auf billigere Alternativen setzen. Meinen kann ich euch auch nach meinem nächsten Baustellenbesuch nennen.

Neben der Steckdosenfunktion schaut euch auch gleich mal deren Zustand an. Sind sie noch unversehrt oder bereits irgendwo abgeschlagen? Sind sie stabil verbaut (steckt irgendeinen 3-pol Stecker an und zieht ihn ruckartig wieder raus – bewegt sich die Steckdose?) Wurden sie gerade eingebaut oder schief? Das klingt vielleicht noch unwichtig, aber irgendwann geht euch eine schiefe Steckdose einfach am Sa.k Noch dazu erkennt ihr bereits daran, ob der vorherige Elektriker korrekt gearbeitet oder einfach herumgepfuscht hat.

Nachdem ihr die Steckdosen geprüft habt, probiert auch alle Lichtschalter. Funktionieren sie noch? Sind sie ebenfalls unversehrt? Funktionieren sie gschmeidig oder bereits hakelig?

Nachdem ihr euch um diese vermeintlichen Banalitäten gekümmert habt, geht’s ab zum Sicherungskasten. Hier wird’s nämlich gerade bei älteren Gebäuden interessant, weswegen ich diesen Bereich etwas ausführlicher behandeln möchte:

TN-C oder TN-S System?
Heutige Anlagen werden alle als TN-S System ausgeführt. Dies bedeutet, dass der Neutralleiter und die Erdung separat angeschlossen werden. Dies ist relativ leicht daran erkennbar, dass jeder Stromkreis mit 3 Kabeln ausgestattet wurde: blau (Neutralleiter), gelb/grün (Erdung) und schwarz (Phase).

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Die Farbaufteilung kann aber bei älteren Gebäuden (leider) variieren. Sofern aber alle Neutralleiter blau und alle Erdungsleiter gelb/grün sind, braucht ihr (aus meiner Sicht) nichts mehr zu ändern. Ob die Phase nun schwarz, braun, violett, odgl. ist, ist relativ egal, solange ihr alle korrekt zuordnen könnt. Lediglich blau, gelb/grün und gelb bzw. grün solltet ihr unbedingt tauschen, damit keine Verwechslungsgefahr besteht! Solltet ihr noch das alte TN-C System verbaut haben, solltet ihr mit deutlichen Mehrkosten bzw. Mehraufwand rechnen. Immerhin müsstet ihr pro Stromkreis eine Ader nachziehen (höchstwahrscheinlich einen blauen Draht für den separaten Neutralleiter) und sowohl die Sicherungen als auch den FI-Schalter tauschen. Dies führt mich gleich zum nächsten Kapitel:

Die Sicherungskastenbestückung (Sicherungen und FI Schalter)
Früher war alles besser stimmt zumindest im Bereich der Elektrik nicht. Hier müsst ihr im blödesten Falle alle Sicherungen und FI-Schalter auswechseln. Aber fangen wir mal mit dem einfacheren Teil an: dem FI-Schalter. Sofern ihr von TN-C auf TN-S wechselt, müsst ihr ihn sowieso austauschen und könnt hier eigentlich nichts falsch machen – außer einen gebrauchten kaufen. Und das tut doch niemand, bitte! Jedoch solltet ihr euch den FI-Schalter auch näher ansehen, wenn ihr das System nicht wechselt, denn es sind noch genug veraltete Schalter verbaut, die einfach nicht ausgetauscht wurden. Ein wichtiger Faktor ist der erlaubte Fehlerstrom. Diesen erkennt ihr z.B. an der Bezeichnung „IΔn“. Er sollte nicht höher als 0,03A sein. Was genau Fehlerstrom bedeutet, ist eigentlich egal, aber kurz gesagt: Es fließt nicht der Strom zurück, der reingeflossen ist. Insofern existiert irgendwo ein Isolationsfehler (Kabelisolation oder Menschen z.B.). Früher lag der erlaubte Fehlerstrom noch bei z.B. 0,1A, was heute undenkbar ist.

Ein weiterer Punkt bezieht sich auf die Sicherungen. Einerseits in der Bestückung, andererseits in der Dimensionierung. Falls ihr Glück habt, existieren für die Lampen und die Steckdosen getrennte Stromkreise – falls nicht, solltet ihr sie auf alle Fälle nachziehen. Hier ist auch die Frage, wie viele Kreise ihr installieren wollt. Pro Raum zwei (Licht, Steckdose) ist etwas zu viel, aber einer pro Etage ist wieder einer zu wenig. Darauf geh ich aber im Elektroinstallationskapitel näher ein. Etwas, was wir relativ zügig prüfen können, ist die Sicherungsdimensionierung. Früher wurden gerne 16A Sicherungen bei Kabelquerschnitten von 1,5mm² eingebaut. Jedoch ist man hierbei schon am Maximalstrom angelangt, der über ein 1,5mm² Kabel fließen darf. Je nach Auslösecharakteristik kann auch das 1,2-fache drüberlaufen, was zu Kabelbränden führen kann. Deswegen werden heute für 1,5mm² Kabel nur noch 13A oder teilweise auch 10A Sicherungen eingebaut. Dies würde ich euch ebenfalls empfehlen. Denn, wenn ihr Licht und Steckdose trennt und dann vielleicht 3 Räume zusammenfasst (ausgenommen Küche, die braucht 2 separate Stromkreise), kommt ihr bei normale Nutzung nie auf 13A, die ihr zugleich benötigt. Das wären schon knapp 3000W – also nichts für Gandalf, aber der hat sowieso nur 64A Sicherungen verbaut

Sanitärverrohrung
Gerade in alten Gebäuden wurden noch gerne verzinkte oder Kupferrohre verwendet. Beides sollte man heutzutage gegen Kunststoff- oder Mehrschichtverbundrohre tauschen. Verzinkte Rohre werden euch irgendwann wegrosten und bei Kupferrohren kann es zu Lochfraß kommen. Dies entsteht gerne bei heißen und / oder saurem Wasser bzw. dürft ihr nach Kupferrohren keine Stahlelemente einbauen oder nutzen, da diese durch aus dem Kupfer gelösten Bestandteilen gerne „aufgefressen“ werden.

Prinzipiell würde ich die Sanitärverrohrung dann auf alle Fälle wechseln, wenn verzinkte Rohre verbaut sind oder ihr sowieso mehrere Baustellen aufreißt. Denn dann könnt ihr das Trinkwassersystem auch gleich auf den neuesten Stand bringen. Dessen Planung werde ich aber ebenfalls in einem anderen Thema näher behandeln.

Heizungssystem
Beim Heizungssystem solltet ihr euch sowohl die Bereitstellungsseite (Ölkessel, Gastherme, …) ansehen als auch die Verteilungsseite. Bei der Bereitstellungsseite kommt es vor allem darauf an, wie alt das System ist und wie ihr in Zukunft heizen / kühlen wollt. Wenn ihr das Haus ordentlich dämmt und ihr etwas ökologischer unterwegs sein wollt, könnt ihr euch eine Wärmepumpe gönnen. Wenn ihr eine höhere Leistung benötigt oder euch eine Wärmepumpe zu teuer ist, wäre eine Gastherme die richtige Entscheidung. Falls aber noch ein Ölkessel verbaut ist, würde ich den auf alle Fälle rausschmeißen – außer ihr wollt auf x-tausend Liter Öl sitzen. Wenn ihr das jeweilige System beibehalten möchtet, solltet ihr euch aber unbedingt dessen Gesamtzustand näher anschauen: Wie alt ist das System? Funktioniert es noch einwandfrei? Sind Wartungsunterlagen vorhanden (max. 2 Jahre alt)? Sind irgendwo Roststellen / Beschädigungen ersichtlich? Am besten solltet ihr die Besichtigung an einem kalten Tag durchführen, da ihr so auch das Heizungssystem in Action erleben könnt

Neben dem Heizungssystem an sich solltet ihr euch auch die Verteilung ansehen. Dies beginnt bei den Bereitstellungs-Geräten, wie dem Speicher, der Therme, usw. und endet im Raum beim Heizkörper oder der Fußbodenheizung. Falls hier verzinkte Rohre verbaut wurden, würde ich diese asap austauschen. Denn von denen löst sich Rost und schwimmt dann gemütlich in den Heizkörper oder, wies bei mir der Fall war, in die Fußbodenheizung. Dort sammelt sich‘s und wenn nicht alle 2 Jahre ordentlich gespült wird, verstopfen die Rohre langsam – auch das habe ich schön am eigenen Leib erfahren dürfen. Selbiges gilt für Heizkörper, doch kann man die deutlich einfacher und billiger austauschen. Insofern gilt: Bei einer FBH sollten alle verzinkten Rohre und Verteiler getauscht werden, bei Heizkörpern ist dies nicht zwingend der Fall. Dies führt mich auch gleich zum nächsten Thema: dem Funktionstest. Lasst das Haus auf alle Fälle auf gemütliche 25, 26°C aufheizen. Denn nur so könnt ihr prüfen, ob alle Heizkörper funktionieren. Bei einer FBH wird’s etwas schwieriger, aber auch hier merkt ihr, wenn ein Raum kühler ist als die anderen, dass entweder die Ventile nicht zu 100% aufgedreht, oder die Leitungen schon verstopft sind. Um dies final zu prüfen, lasst aber einen BSV mit Thermobildkamera kommen. Der checkt den Boden und sieht sofort, wenn irgendwo eine Verstopfung anliegt – denn dann ist bis zu diesem Punkt die Temperatur recht hoch und dann schlagartig geringer.

Falls euch noch irgendwelche Themen einfallen, die man als Laie gut prüfen kann, gebt einfach Bescheid
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15 Kommentare
Kann kaum erwarten mir das in aller Bequemlichkeit am Wochenende durchzulesen!
Sparschwein24/05/2019 01:21

Kann kaum erwarten mir das in aller Bequemlichkeit am Wochenende …Kann kaum erwarten mir das in aller Bequemlichkeit am Wochenende durchzulesen!


Hoffe es hilft
Danke für den Artikel!
Frage, was darf ein BSV denn etwa kosten?

Habe das Haus von meinem Vater anschauen lassen (ob sich ein DG Ausbau lohnt oder nicht) war etwa 1,5 Stunden da. Dann für einen Kurzbericht 2,5 weitere Stunden daran gearbeitet. Preis, für 4 Stunden inkl. Anfahrt und Nebenkosten, insgesamt 810€ inkl. Steuer.
Dass ein BSV kein Schnäppchen ist weiß ich, aber wenn der BSV mich beim Ausbau "untere die Arme greift" könnt das doch ganz schön teuer werden.
Bearbeitet von: "Grex" 6. Juni
Grex06/06/2019 21:21

Danke für den Artikel!Frage, was darf ein BSV denn etwa kosten?Habe das …Danke für den Artikel!Frage, was darf ein BSV denn etwa kosten?Habe das Haus von meinem Vater anschauen lassen (ob sich ein DG Ausbau lohnt oder nicht) war etwa 1,5 Stunden da. Dann für einen Kurzbericht 2,5 weitere Stunden daran gearbeitet. Preis, für 4 Stunden inkl. Anfahrt und Nebenkosten, insgesamt 810€ inkl. Steuer.Dass ein BSV kein Schnäppchen ist weiß ich, aber wenn der BSV mich beim Ausbau "untere die Arme greift" könnt das doch ganz schön teuer werden.


Also ich hab mir Mal Schätzungen geben lassen, die bei 4000 - 6000 € lagen. Verglichen zum Hauswert von 300.000 € immer noch 'lächerlich', wenn man sich viele Scherereien ersparen kann!

Finde die 800 € jetzt nicht erschreckend hoch. Immerhin hast du was in der Hand, wofür die BSV auch gerade stehen muss. Ist auch immer eine gewisse Verantwortung dabei

Wie schon beschrieben hatte ich damals für nicht Mal 2h, 900 € bezahlt und der Typ hat mir weder nen Bericht noch ne Rechnung zukommen lassen ...
Danke für deine rasche Antwort!

Natürlich, ist es mir das Geld wert, dass ich klare und unabhängige Meinung von einem Experten zum aktuellen Zustand des Hauses erhalten habe. Könnte ja auch anders gelaufen sein, dass die Bausubstanz nicht mehr verwendbar ist. Immerhin bei einem 100 Jahre alten Haus, hat man als Laie so seine Bedenken.

Wollte nur wissen, welche Preise so ein BSV verlangen kann/darf, oder ob ich einen anderen BSV in Betracht ziehen sollte.

Eines noch, welches Gerät hast du zum Messen der Feuchte im Mauerwerk verwendet?
Bearbeitet von: "Grex" 6. Juni
Grex06/06/2019 21:34

Danke für deine rasche Antwort!Natürlich, ist es mir das Geld wert, dass i …Danke für deine rasche Antwort!Natürlich, ist es mir das Geld wert, dass ich klare und unabhängige Meinung von einem Experten zum aktuellen Zustand des Hauses erhalten habe. Könnte ja auch anders gelaufen sein, dass die Bausubstanz nicht mehr verwendbar ist. Immerhin bei einem 100 Jahre alten Haus, hat man als Laie so seine Bedenken.Wollte nur wissen, welche Preise so ein BSV verlangen kann/darf, oder ob ich einen anderen BSV in Betracht ziehen sollte.Eines noch, welches Gerät hast du zum Messen der Feuchte im Mauerwerk verwendet?


Also meiner Meinung nach war der Preis okay. Wenn du bedenken hast, kannst du dich aber auch immer an die gerichtlich beeideten BSV wenden und dort nachfragen

Ja bei einem 100 Jahre alten haus würde ich das auch investieren bevor was passiert. Vor allem bei sicherheitsrelevanten Themen, gibt's keine verlorenen Euros

Ich hab mir damals ein Billigteil von den Chinesen geholt. Zwar zeigt das Gerät Feuchtewerte an, aber ich hab's eher als ein 'ist feucht', 'ist trocken' Gerät verwendet. Also für eine grobe Abschätzung. Ein professionelles Gerät kostet schon seine 500 € und das war's mir nicht wert. Wenn du willst, kann ich aber noch das Modell checken, was ich mir geholt habe
Hallo,

eigentlich nicht mehr nötig, ich hab mir jetzt mal das Gerät geholt:
amazon.de/Bre…NV2

Kommt zwar nicht zu einem 500€ Gerät, aber es tut, was es bei dir auch getan hat, Nass oder nicht nass
Bearbeitet von: "Grex" 6. Juni
Grex06/06/2019 22:04

Hallo,eigentlich nicht mehr nötig, ich hab mir jetzt mal das Gerät g …Hallo,eigentlich nicht mehr nötig, ich hab mir jetzt mal das Gerät geholt:https://www.amazon.de/Brennenstuhl-Feuchtigkeits-Detector-Feuchtigkeitsmessgerät-Feuchtigkeitsmesser-LCD-Display/dp/B003CSNV2Kommt zwar nicht zu einem 500€ Gerät, aber es tut, was es bei dir auch getan hat, Nass oder nicht nass


Ja solche Dinger kaufen sich Profis. Für unser einer reichen die u20-Geräte allemal
Irgendwie nicht ganz richtig hier, aber hat jemand Ahnung von Deckenleuchten, müssen immer alle Glühbirnen intakt sein?
Markus08/08/2019 21:30

Irgendwie nicht ganz richtig hier, aber hat jemand Ahnung von …Irgendwie nicht ganz richtig hier, aber hat jemand Ahnung von Deckenleuchten, müssen immer alle Glühbirnen intakt sein?


Nein müssen sie nicht da sie nicht seriell sondern parallel geschalten sind
ninurta08/08/2019 21:30

Nein müssen sie nicht da sie nicht seriell sondern parallel geschalten …Nein müssen sie nicht da sie nicht seriell sondern parallel geschalten sind


Danke


Ich hab eine 4er Deckenlampe vom Möbelix, 1 Glühbirne hats weggeschossen, die Fassung steckt drinnen/ die 2 Glühbirne ist abgerissen (Fassung/ Glas) aber theoretisch noch ganz/ die 3 Glühbirne keine Ahnung, und bei der 4. tausche ich immer die Glühbirne, früher hat die 4. länger gehalten, jetzt ist es eine neue Marke, und die Birnen halten 4 Tage, 2 Wochen, 1 Monat, 4 Tage...

Glaubst an was liegts?
Bearbeitet von: "Markus" 8. August
Markus08/08/2019 21:32

DankeIch hab eine 4er Deckenlampe vom Möbelix, 1 Glühbirne hats w … DankeIch hab eine 4er Deckenlampe vom Möbelix, 1 Glühbirne hats weggeschossen, die Fassung steckt drinnen/ die 2 Glühbirne ist abgerissen (Fassung/ Glas) aber theoretisch noch ganz/ die 3 Glühbirne keine Ahnung, und bei der 4. tausche ich immer die Glühbirne, früher hat die 4. länger gehalten, jetzt ist es eine neue Marke, und die Birnen halten 4 Tage, 2 Wochen, 1 Monat, 4 Tage...Glaubst an was liegts?


Klingt ... Dubios. Würde aber beim Leuchtenwechsel sicherheitshalber die Sicherung rausgeben, da bei den abgerissenen Birnen der Leiter frei liegen könnte.

So Leuchten sind ja nicht wirklich kompliziert ... Leiter, Neutralleiter sind verlegt und bringen das Leuchtmittel zum Strahlen. Was jetzt das Problem ist, ist von der Ferne kaum auszumachen. Ich persönlich würde mal die Verkabelung prüfen. Also ob die Leuchte korrekt angeschlossen ist oder sich ein Kabel gelöst hat (zuerst Sicherung rausgeben). Wenn das alles i.O. ist, beim reinschrauben der Birnen darauf achten, dass man sie nicht zu stark reinschraubt, sonst könnte zuviel Spannung auf die birne übertragen werden.

Gebrochenes Glas kann z.b. auf eine zu hohe Temperatur des Glühfadens oder auf nicht ausreichend 'Belüftung' schließen lassen. Hast du dich an die Vorgaben der Maximalleistung gehalten? Meist sinds so 40W pro Birne o.ä.
Danke für die Ausführliche Antwort

Es ist eine 40 Watt E14, auch das Modell was ich früher hatte, hat uns der Verkäufer gegeben, und da ist die eine rausgeflogen, bzw. bei der anderen abgerissen, aber das Glas ist ganz geblieben.


Also ist es nicht meine Schuld, wenn die 4. Glühbirne nur 4 Tage hält, sondern eine Fehlproduktion von Möbelix?

Liegt doch an mangelnder Qualität, nicht dass sie nachher sagen, es ist meine Schuld, weil alle Glühbirnen funktionstüchtig sein müssen.
Markus08/08/2019 21:54

Danke für die Ausführliche Antwort Es ist eine 40 Watt E14, a …Danke für die Ausführliche Antwort Es ist eine 40 Watt E14, auch das Modell was ich früher hatte, hat uns der Verkäufer gegeben, und da ist die eine rausgeflogen, bzw. bei der anderen abgerissen, aber das Glas ist ganz geblieben.Also ist es nicht meine Schuld, wenn die 4. Glühbirne nur 4 Tage hält, sondern eine Fehlproduktion von Möbelix? Liegt doch an mangelnder Qualität, nicht dass sie nachher sagen, es ist meine Schuld, weil alle Glühbirnen funktionstüchtig sein müssen.


Nein absolut nicht! Sind alles 230V Wechselspannungsbirnen. Ist nur manchmal bei LED-Streifen oder -Ketten so, dass keine mehr geht wenn eine ausfällt weil dann die Kette unterbrochen ist.

Wie gesagt: ob's die Lampe ist, kann man nicht sagen, weil's unterschiedliches sein kann. Wenn du sie noch umtauschen kannst, wär's Mal die einfachste Möglichkeit die Lampe als Fehlerquelle auszuschließen
ninurta08/08/2019 21:58

Nein absolut nicht! Sind alles 230V Wechselspannungsbirnen. Ist nur …Nein absolut nicht! Sind alles 230V Wechselspannungsbirnen. Ist nur manchmal bei LED-Streifen oder -Ketten so, dass keine mehr geht wenn eine ausfällt weil dann die Kette unterbrochen ist.Wie gesagt: ob's die Lampe ist, kann man nicht sagen, weil's unterschiedliches sein kann. Wenn du sie noch umtauschen kannst, wär's Mal die einfachste Möglichkeit die Lampe als Fehlerquelle auszuschließen


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