Verbot von Wildcamping - fallen Privatgrundstücke darunter?

eingestellt am 11. Sep 2022
Hallo,
eine Frage an die Community, auf die ich jetzt auch nach längerer Suche noch keine klare Antwort finden konnte:

Wildcampen ist in Niederösterreich ja ausnahmslos verboten, das inkludiert auch das Übernachten in einem Zelt:

Im Bundesland Niederösterreich ist es verboten, im Grünland außerhalb von genehmigten Campingplätzen Wohnwagen, Wohnmobile oder mobile Heime auf- und abzustellen. Unter mobilen Heimen werden auch Zelte verstanden.

Wer gegen dieses Verbot verstößt, begeht eine Verwaltungsübertretung und macht sich damit strafbar.




Aber fällt darunter auch das Zelten auf einem Privatgrundstück mit Erlaubnis des Grundstückbesitzers?
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12 Kommentare

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    Laut ÖAMTC:

    "Gemäß niederösterreichischem Naturschutzgesetz, ist das Auf- und Abstellen von Wohnwagen, Wohnmobilen oder mobilen Heimen im Grünland außerhalb von genehmigten Campingplätzen verboten. Wer dagegen verstößt, begeht eine Verwaltungsübertretung und macht sich strafbar – ein Verstoß wird mit bis zu 14.500 Euro geahndet.

    Auf privaten Grundstücken darf nur mit Erlaubnis des Eigentümers übernachtet werden – das gilt auch für Waldgebiete. Zwar sichert das Forstgesetzes jedem die freie Betretbarkeit des Waldes zu, allerdings ist das Lagern bei Dunkelheit und Zelten davon klar ausgenommen und daher verboten. Es sei denn, es liegt eine ausdrückliche Zustimmung des Grundeigentümers vor."

    Laut Bundesministerium:
    Für den Wald gilt:
    "Eine über das Betreten und Aufhalten zu Erholungszwecken hinausgehende Benutzung, wie Lagern (längerer Aufenthalt an einem bestimmten Platz) bei Dunkelheit und Zelten, Befahren (auch mit Fahrrädern) oder Reiten, ist nur mit Zustimmung des Waldeigentümers, und in Bezug auf die Forststraßen nur mit Zustimmung des Forststraßenerhalters, der zumeist der Waldeigentümer ist, zulässig."


    Falls du ganz sicher sein willst, dann am besten bei der NÖ Landesregierung fragen:

    oesterreich.gv.at/themen/freizeit_und_strassenverkehr/campen/Seite.3390004.html (bearbeitet)
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    Zu einem ähnlichen Fall gibt es sogar eine VfGH Entscheidung weil eine Gemeinde das Campen auf Privatgrundstücken verbieten wollte. Spoiler: Die Verordnung war Gesetzeswidrig.
    Siehe: VfGH V 11/2016
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    Ich bin zwar kein Rechtsanwalt, aber meiner Meinung nach, nein.
    Solange es kein gewerbliches Ausmaß annimmt, sollte es kein Problem darstellen.
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    Auch ich bin kein Jurist. Meiner Meinung nach gilt das Verbot jedoch nicht für Privatgrund, solange man dort vereinzelt nächtigt und nicht dauerhaft in den Zelten wohnt. Und selbst da bin ich mir nicht sicher, ob das nicht auch zulässig sein könnte, so lange dort auch ein Haus steht und man Steuern, übliche Gebühren (Wasser, Müll, Kanal,...), usw. zahlt. Der Privatgrund hebelt mEn sehr viele Gesetze und Regelungen aus, da das Privates und jene Freiheit in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert genießt.
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    Danke an alle. Und dass da "im Grünland" steht ist mir bisher gar nicht aufgefallen.

    Wenn man keine Angst haben muss, dass jeden Moment der Erwin im Schlafanzug aus dem nächsten Gebüsch springen könnte um laut brüllend einer Truppe Cobra-Beamten den Schießbefehl zu geben, dann schläft sichs hoffentlich gleich viel besser.

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    Geil! Allzeit gute Fahrt! Ich war Ende Mai, Anfang Juni von Passau nach Wien entlang der Donau unterwegs, zwar "nur" auf Campingplätzen, aber war trotzdem toll Ich überlege auch mal im Herbst/Winter eine Radreise zu unternehmen. Fragst du einfach spontan einen Bauern oder Grundstückseigentümer oder hast du bereits vorab recherchiert?

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    § 6 Z 3 NÖ NSchG regelt nicht das sgn „wilde Campen“ als solches, wozu auch das Zelten gehörte, liegt letzteres doch zweifellos außerhalb des Wortsinnes der Begriffe „Wohnwagen, Wohnmobile oder mobile Heime“. Dem Begriff des „Auf- und Abstellens“ im Sinne des § 6 Z 3 NÖ NSchG wohnt ein Aspekt der Dauerhaftigkeit inne (weil nur dann eine nachhaltige Beeinträchtigung des Landschaftsbildes zu befürchten wäre), also ein bloß kurzfristiges, vorübergehendes Abstellen nicht unter den Anwendungsbereich des Verbotes des § 6 Z 3 NÖ NSchG fällt.

    Seite11: ris.bka.gv.at/Dok…pdf

    auch als Nicht-Jurist gut lesbar. Fazit: Mach es einfach. Außer dem Eigentümer kann dir mE niemand was.

    Praxisinfo: eines meiner näheren Familienmitglieder zieht im Sommer Wochenlang mit Zelt, Rucksack und Gaskocher durch die Wälder und Berge und hatte noch nie ein Problem, außer mit Wildschweinen die nächtens kamen. (bearbeitet)
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    Grünland klingt für mich sehr verdächtig nach "im Sinne der Flächewidmung"
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    Danke, ist auch meine Vermutung, aber die Tatsache, dass ich das nirgendwo schwarz auf weiß gefunden habe, sondern immer nur "Wildcampen ist grundsätzlich verboten", sodass ich dann nach der Definition von Wildcampen gesucht hab - und die, zumindest nach der Wikipedia-Definition, Privatgrundstücke miteinschließt ("Als Wildcamping (auch Wildes Campen) wird das Übernachten von Personen in mobilen Unterkünften wie Zelten, Wohnwagen oder Wohnmobilen abseits von ausgewiesenen Campinganlagen und Stellplätzen bezeichnet.").

    Einige Quellen haben Privatgrundstücke zwar erwähnt, allerdings klang das eher in Richtung "bei Privatgrundstücken ist zusätzlich das Einverständis des Eigentümers einzuholen", was auch wieder nicht nach Ausnahme klingt.

    Das alles hat mich ein wenig verunsichert. (bearbeitet)
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